Entstehung des Dorfes

Die Geschichte zur Entstehung unseres Dorfes

Der Ortsname “Schweindorf” hat entgegen landläufiger Meinung keinen Bezug zum Haustiernamen “Schwein”, sondern lässt sich am ehesten von der Bezeichung “Swin” (Rinne, Wasserlauf) ableiten und bezeichnet ein “Dorf am Wasserlauf”. so schreibt Christian R. Salewski in einer Abhandlung über Schweindorf. Der Ortsname könnte aber auch, abgeleitet vom niederländischen “Zwin” oder “swinan” (schwinden), “Rinne im Deichvorland” (ursprünglich möglicherweise “träge fließendes Wasser”) bedeuten. Nicht auszuschließen ist aber auch ein Bezug zu den Rufnamen “Sween, Swene”.

Eine erste Nennung als “Zwyndorp” stammt aus dem Jahr 1564. Später wurde der Ort als “Swyndorp” (1585), “Schweindorff” (1670) und ab 1684 als Schweindorf bezeichnet.

Schweindorf war bereits früh eine bedeutende Gemeinde mit einer günstigen geographischen Lage an der Altstraße von Jever nach Norden auf dem Sandstrich innerhalb der alten Vogtei Holtriem.

Die Besiedelung des heutigen Dorfes in der Stein- bis zur Bronzezeit wird durch Feuersteinfunde, eine zertrümmerte Urne und mehrere Grabhügel belegt. Ein Tongefäß dokumentiert auch eine vermutlich chaukische Besiedlung in der römischen Kaiserzeit.

rkz-vw34Übrigens wurde das älteste friesische Schriftzeugnis in Ostfriesland, ein friesischer Runensolidus aus der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts nach Christi Geburt, in Schweindorf gefunden und zeugt von einer frühen Besiedelung. Bei dem Runensolidus handelt es sich um die Nachbildung einer römischen Kaisermünze, die als unheilabwehrendes Amulett gedient hat und mit seiner Runeninschrift „FELADU“, d. h. „Dir sei Heil“ göttlichen Schutz für den Träger des Amuletts anruft.

Der Direktor der Ostfriesischen Landschaft, Dr. Hajo van Lengen, geht in einer Abhandlung davon aus, dass Schweindorf gleich nach Westerholt und Ochtersum (11. / 12. Jahrhundert) entstanden ist. Allerdings gibt es über diese Anfangszeit keine Unterlagen, weil die Akten in der Fürstenzeit vernichtet wurden. Material liegt erst ab dem 16. Jahrhundert vor. So zählte man in Schweindorf im Jahre 1693 bereits 179 Seelen und die Regenmortsche Karte weist achtzehn Markierungen auf, die vermutlich größere Behausungen darstellen.

Aus einem Buch über die Ostfriesische Tierzucht von Johanna Köppe von 1969 ist nachzulesen, dass Schweindorf einst eine bedeutende Stellung in der Pferdezucht hatte. Im Jahre 1712 standen hier bei verschiedenen Züchtern drei Hengste, von denen einer sogar bis zur Weltausstellung gelangte.

Aufschluss über die im Jahre 1718 in der Gemeinde Schweindorf vorhandenen „Plaatzen und Warftstätten“ gibt eine von dem Esenser Bürgermeister Brenneysen nach der schweren Weihnachtsflut 1717 angeordnete Zählung. Nach dieser Zählung überstanden insgesamt 12 Plaatzen und 13 Warftstätten in der Gemeinde Schweindorf die Flut. Nach einer Aufstellung über die Bauernplätze der Holtriemer Vogtei im Jahre 1632 waren damals Eigentümer dieser 12 Platzen:

  • Hicke Poppen
  • Uffe Poppen
  • Mendt Tiden
  • Tade Uffken
  • Ihmel Eden
  • Hicke Galtits
  • Meppe Ihnen
  • Frerich Ewen
  • Fimme Ellen
  • EdzardtTaden
  • Haitet Ellen
  • Edo Lübben

Eine exakte Übersicht über Einwohner, Haushaltungen und bewohnte Häuser der Gemeinde Schweindorf vermittelt die statistische Übersicht Ostfrieslands des Büros der Königlichen Landdrostei zu Aurich über die Volkszählung vom 3. Dezember 1867. An diesem Tage wurden in Schweindorf 341 Einwohner, 65 Haushaltungen und 59 bewohnte Häuser erfasst; unter Berücksichtigung der heutigen Einwohnerzahl (2008) von 661 eine beachtliche Einwohnerzahl. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang auch die Einrichtung einer Armen- und Arbeitsanstalt in Schweindorf durch die Armenverbände Ochtersum, Westerholt-Nenndorf, Westeraccum und Westerbur im Jahre 1883.


Quellen- und Literaturverzeichnis

Zu den Kurztiteln und zu den angeführten statistischen Angaben vgl. die Datei „Literaturverzeichnis Historische Ortsdatenbank Ostfriesland“
Quellen:
Staatsarchiv Aurich: Rep 5c, Nr. 133; Rep. 12, Nr. 3287; Rep 14, Nr. 1180; Rep. 15, Nr. 10717; Rep 79, Nr. 3970
(Kriegsgefangenenlager Schweindorf; AK Nr. 5479); Rep. 139, Nr. 884; Rep 170, Nr. 34,1. Amtsgericht Esens: Genossenschaftsregister; Vereinsregister, Bd. l, S. 12.
Literatur:
Berghaus, Peter/ Schneider, Karl, Anglo-friesische Runensolidi im Lichte des Neufundes von Schweindorf (Ostfriesland) (Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, 134), Köln/Opladen, 1967.
Bruns, Wiebke, Die Mühlen zu Schweindorf: Beide Bauten stammen aus dem Jahre 1907, in: Harlinger Heimatkalender, 1992, S. 47-52.
Eilts, Edgar G., Ein Landverkauf vor 220 Jahren, in: Heim und Herd, Beilage zum Ostfriesischen Kurier, 1998, Nr. 8.
Eilts, Edgar G., „Mit dem Klammerbeutel gepudert“: Mühlenverpachtung vor über 120 Jahren – soziale Stellung, in: Heim und Herd, Beilage zum Ostfriesischen Kurier, 2000, Nr. 4.
Heikens, Hans-Peter, Als wenn es erst gestern gewesen wäre, in: Anzeiger für Harlingerland vom 16.10.2004.
Henninger, Wolfgang, Harlingerland, in:Bei der Wieden, Brage (Hrsg.), Handbuch der niedersächsischen Landtagsund Ständegeschichte, Bd. l, 1500-1806 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 216), Hannover 2004, S. 201-202, 425-430.
Smid, Kirchengeschichte.
Statut der freien Innung für sämtliche Handwerker zu Schweindorf, Freie Innung Schweindorf Norden, 1898 (StAA Rep. 44, Nr. 316).
Remmers, Aaltukerei, S. 200.
Wegmann, Günter, Das Kriegsende zwischen Weser und Ems 1945 (Osnabrücker Geschichtsquellen und Forschungen, 23), Osnabrück 1983.
Chronik Harm Poppen / Ostfriesische Landschaft


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